Sushi
ist nicht nur das beliebteste Gericht in Japan überhaupt, es ist auch die
Krönung japanischer Küchenkunst. Das Resultat ist für Augen und
Gaumen gleichermaßen reizvoll.
Dieser dekorative Aspekt der Sushi wurde im 7. Jahrhundert
wohl recht vernachlässigt, als der Prototyp von China nach Japan importiert
wurde. Sushi, zu dieser Zeit nichts anderes als gepökelter Fisch, war auch
eine Alternative zu Fleisch und Milch, denn unter dem Einfluss des Buddhismus
wurde im Jahre 676 von Kaiser Temmu der Verzehr von Fleisch offiziell verboten.
Mit der Einführung des Zen-Buddhismus im 13.Jahrhundert wurden auch die Samurai
auf diese Richtung aufmerksam, die die Meditation in den Vordergrund stellte.
Von diesen geistigen Übungen versprach sich die Elite Japans eine Stärkung
der Selbstdisziplin und des Kampfgeistes. Was als asketische Lebensweise gedacht
war, entwickelte sich kulinarisch allerdings weiter: Aus dem religiösen Tabu
haben Mönche eine sehr raffinierte Kochkunst entstehen lassen, die auch heute
so manchen Anti-Vegetarier überzeugt. Von
Raffinesse war damals bei der Zubereitung von Sushi sicher nichts zu spüren
- rein praktische Gründe müssen überwogen haben: bevor Nippon sich
nämlich zur Heimat aller Elektrogeräte erklärte, in finsterer Urzeit
vor der Erfindung von Kühlschrank und Mikrowelle, hatte der Fisch als solcher
noch ein recht kurzes Verfallsdatum. Deshalb wurde er in Salz eingelegt und mit
einem schweren Stein gepresst, bis er als fermentierte Fischkonserve haltbar wurde.
Um
die Gärung zu beschleunigen, kam im 15. Jahrhundert zusätzlich Reis
in den Pökeltopf. Und so zeigte sich schon bald, dass der Fisch mit Reis
viel besser schmeckte als ohne. Das Resultat waren nama-nari-sushi - die Vorläufer
der heute als Sushi bekannten Reis-Fisch-Häppchen. Doch diese Gärung
dauerte vielen Feinschmeckern im alten Tokyo, das damals noch Edo heiß,
viel zu lange. Ohnehin waren die Tokyoter für ihre Geduld nicht gerade berühmt,
doch das sollte sich auszahlen. So fand im 17. Jahrhundert ein Arzt namens Mastumoto
Yoshiichi eine verblüffend einfache Methode: er vermischte den Reis mit Essig.
Dadurch wurde der Fisch zart und der Reis schmackhaft. Der gesäuerte Reis
wurde dafür in Holzkästchen gepresst, mit Fischscheiben belegt und mit
einem Stein beschwert. Haya-sushi wurde diese Reis-Fisch-Schichtung genannt, die
immer noch Grundlage vieler moderner Sushi ist. Die
prominentesten Varianten davon sind die nigiri-sushi, handgeformte Sushi, die
der Überlieferung nach ein cleverer Fischhändler namens Yohei Hanaya
(1799 - 1858) aus Edo erfunden hat. Er soll die primitiven Vorläufer der
haya-sushi verfeinert haben, indem er rohes Fischfilet auf leicht gesäuerten
Reis legte und als handliche Häppchen servierte. Nippon bekam sein erstes
Fast Food! Erst nach dem Zweiten Weltkrieg jedoch McSushi&Co. das gesamte
Inselreich. Bekannt sind nigiri-sushi auch unter edo-mae-sushi. Edomae deshalb,
weil das Meer vor der Edo-Burg (im alten Tokyo) besonders reich an Fischen und
Schalentieren war. Der Begriff steht für besonders hohe Qualität - damals
wie heute, auch wenn jetzt niemand mehr in der Bucht von Yokohama fischt.
Quelle: Das Kochbuch der Sushi Factory: Okamoto/Buck: Sushi 1999, Falken
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